Der Wald von morgen
In den letzten Jahren habe ich viele Waldbesitzende und Akteure der Forstbranche kennengelernt – und dabei auch viel Frustration gespürt. Kein Wunder: Unsere Forstwirtschaft steht derzeit vor enormen Herausforderungen.
Sich wandelnde Klimabedingungen, Trockenheit, Stürme und der Borkenkäfer setzen unseren Wäldern sichtbar zu.
Ich verstehe diese Sorgen gut – denn es ist tatsächlich keine einfache Zeit für alle, die Verantwortung für den Wald tragen. Doch gerade jetzt kommt es darauf an, den Wandel aktiv mitzugestalten.
Der Wald unserer Kinder wird anders aussehen als der, den wir heute kennen – und das ist auch gut so.
Wie ein solcher klimafitter, widerstandsfähiger und vielfältiger Wald aussehen kann, das ist meiner Meinung nach die zentrale Frage, die wir uns im Forst heute stellen sollten.
Die Idealvorstellung
In meinem Forststudium habe ich das Prinzip der naturgemäßen Waldwirtschaft kennengelernt. Doch wie sieht so ein Wald eigentlich aus – und warum ist dieses Prinzip so genial?
Naturgemäße Wälder sind – bis auf wenige Ausnahmen – dauerhaft bestockt. Es gibt kaum durch Kalamitäten verursachte Kahlflächen, auf denen mühsam nachgepflanzt werden muss. Stattdessen verjüngt sich der Wald selbst – ganz ohne menschliches Zutun. In solchen Beständen finden sich Bäume aller Alters- und Höhenstufen. Das sorgt für ein ausgeglichenes Waldinnenklima, das Temperaturspitzen abmildert und die Bodenfeuchte stabil hält. Bäume mit hohem Naturschutzwert, etwa Spechtbäume oder solche mit Pilzkonsolen, bleiben stehen. Erntereifes Holz kann dagegen kontinuierlich entnommen werden.
💡Wusstest du: Das Prinzip der Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft – von Hans Carl von Carlowitz (Oberberghauptmann und Verwalter der Wälder). Dieser formulierte angesichts der Rohstoffknappheit im 18. Jahrhundert das Prinzip der nachhaltigen Ressourcennutzung. Es bedeutet, nur so viel Holz zu entnehmen, wie auch nachwächst.
Durch das Einbringen verschiedener Baumarten kann bei Ausfall einer Art eine andere einspringen. Unsere heimischen Baumarten stoßen teils an ihre Grenzen, daher können auf passenden Standorten auch eingeführte Arten ergänzend eingebracht werden.
Gemeinsam erschließen sie den gesamten Wurzelraum: Flachwurzler nutzen die oberen Bodenschichten, Tiefwurzler dringen in tiefere Schichten vor.
Und was noch? Flächige Befahrung sollte unbedingt vermieden werden. Schon eine einmalige Befahrung mit schweren Maschinen kann den Waldboden verdichten, das Bodenleben schädigen und das Wurzelwachstum hemmen. Besonders junge Pflanzen leiden darunter, weil sie weniger Wasser und Nährstoffe aufnehmen können. Natürlich müssen in der heutigen Zeit Maschinen in den Wald fahren. Hierbei ermöglicht ein festgelegtes Rückegassensystem die ideale Bewirtschaftung.
Und welche Vorteile hat so ein naturnaher Wald jetzt genau? Er ist vielschichtig, stabil und anpassungsfähig. Durch seine Mischung aus verschiedenen Baumarten, Alters- und Höhenstufen reduziert sich die Anfälligkeit gegenüber Stürmen, Trockenheit und Schädlingen.
💡Und wenn doch mal eine Kahlfläche durch eine Kalamität entsteht - vielleicht lohnt es sich mal die Perspektive zu ändern. Freiflächen können eine wesentliche ökologische Rolle spielen, da sie für bestimmte licht- und wärmeliebende Arten die entscheidenden Lebensbedingungen schaffen.
Die unterschiedlichen Wurzelsysteme halten den Boden fest, verhindern Windwurf und sichern die Wasserversorgung auch in trockeneren Zeiten. Das dichte Kronendach schützt den Boden vor Austrocknung, und das Waldinnenklima bleibt ausgeglichen.
So kann sich der Wald selbst regenerieren, bleibt dauerhaft bestockt und liefert trotzdem regelmäßig Holz – ein stabiles, widerstandsfähiges und nachhaltiges Ökosystem.
Klingt alles super, oder? Aber wie soll man das alles umsetzen? Hierfür bietet die Unterreiner Akademie einen umfassenden Kurs an: Waldbesitzertag - Praxis rund um den Wald
Einen kleinen Vorgeschmack findest du in der kommenden Artikelreihe: Vom Setzling zum Holzprodukt. Schritt für Schritt vom Pflanzen, über Pflege und Durchforstungen bis hin zur Fällung, Verarbeitung und den fertigen Produkten.
































