Sicherheit und Arbeitsschutz im Wald
Das Schöne an einem Studium in Weihenstephan ist, dass es so sehr praxisnahe ist. So war ich in einem meiner Forstpraktika einige Wochen Teil einer Waldarbeiterrotte. Jeder dieser Forstwirte konnte mir Geschichten von Unfällen erzählen – einer von ihnen ist dabei nur haarscharf dem Tod entkommen. Ich denke, auch du kannst die ein oder andere wilde Geschichte hinzufügen. Mir wurde jedenfalls spätestens ab diesem Zeitpunkt bewusst, dass diese Arbeit selbst für die Erfahrensten echt gefährlich ist. Umso wichtiger ist es, durch einige Vorkehrungen die Arbeit im Forst sicherer zu machen. Hierbei möchte ich euch das TOP-Prinzipvorstellen – hierarchisch aufgestellt alle Sicherheitsstellschrauben.

Abbildung: Das TOP-Prinzip für die höchste Arbeitssicherheit
Technisch
Harvester: Allein die Tatsache, dass beim Fällen mit einem Harvester noch nie ein Maschinenführer ums Leben gekommen ist, sagt schon vieles.
Technische Fällkeile: Beim herkömmlichen Umkeilen des Baumes ist durch die Erschütterung der Schläge die Gefahr herabfallender Äste groß – mechanische oder hydraulische Fällkeile minimieren das Risiko enorm. Nachdem ein Ast nur einen Meter neben meinem Pa im Boden einschlagen ist, hat er sich eine zugelegt. Er ist begeistert, ich bin erleichtert. Wieder ein Plus an Sicherheit.
Neigungsüberwachungen: Immer wieder hört man auch von umkippenden Forstschleppern, was durch eine Neigungsüberwachung vermieden werden kann. Sie kontrolliert dauerhaft, ob der Traktor gerade steht. Wer viel Hanglage hat, sollte darüber nachdenken. Mein Uropa ist am Hang mit dem Traktor umgestürzt und gestorben. Heute sind solche Unfälle vermeidbar. Bei Interesse findet ihr hier Neigungsüberwachungen.
Funk: Hierbei gibt es zwei Arten: Zum einen den Kommunikationsfunk zwischen den Waldarbeitern, der durch eine reibungslose Kommunikation Missverständnisse vermeiden lässt. Zum anderen gibt es den Funk zwischen Mensch und Maschine, beispielsweise bei Seilwinden. Dies ermöglicht das Arbeiten aus sicherer Entfernung.
Organisatorisch
Niemals alleine im Wald arbeiten
Sicherheitsfälltechnik: Auch wenn es dem ein oder anderem anfangs nervig erscheint, es lohnt sich mehr Zeit zu nehmen. Der Schnitt erfolgt wie gewohnt mit dem einzigen Unterschied, dass hinten am Stamm mittels eines Stechschnittes ein kleiner Teil stehen gelassen wird. Bevor dieses Sicherheitsband durchtrennt wird, werden Keile angebracht, die den Baum bereits in die gewünschte Fallrichtung drücken. Nun kann auch das letzte Stück durchgeschnitten werden. Diese kleine Änderung ermöglicht eine sicherere und kontrollierte Fällung.
Seilwindenuntersütze Fällung (Könnigsbrunner Anschlagtechnik): Mittels Teleskopstange wird das Seil in 5-6 Metern Höhe angebracht. Auf das Seil wird etwas Zug gebracht und der Baum kann anschließend mit der Sicherheitsfälltechnik sicher gefällt werden.
Erste-Hilfe: Ein Erste-Hilfe-Set mit Desinfektionsspray gehört in jeden Traktor und hilft bei kleineren Verletzungen. Man sollte sich auch Gedanken über ein Tourniquet (Blutstillungsschlinge) machen. Bei großen Verletzungen kann es lebensrettend sein. Nun noch eine persönliche Frage: Wann war dein letzter Erste-Hilfe-Kurs und bist du dir sicher, dass du in den entscheidenden ersten Minuten alles richtig machst?
Personell
Niemals alleine im Wald arbeiten (Ich weiß, das steht oben auch schon, aber man kann es nicht oft genug sagen.)
Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Ist mittlerweile zum Glück Standard im Forst (Schutzhelm mit Gehör- und Gesichtsschutz, Schnittschutzhose, Schnittschutzstiefel, Arbeitshandschuhe, Jacke mit Signalfarben)
Fortbildungen: Auch wenn man seit Jahren im Wald arbeitet und gerade dann, wenn man Routinen liebgewonnen hat – regelmäßige Schulungen öffnen oft die Augen für sicherere Methoden und helfen zu einem besseren Erkennen von Gefahren. Oft lässt sich durch kleine Änderungen die Waldarbeit sicherer machen.
Aufmerksam und fit sein: Nur wer körperlich und geistig wach ist, kann Gefahren rechtzeitig erkennen und richtig reagieren. Pausen, genügend Schlaf und kein Arbeiten unter Zeitdruck sind entscheidend.
Zustand des Baumes richtig einschätzen: Falsch eingeschätzt kann es fatale Folgen haben. Es lohnt sich, einen Moment Zeit zu nehmen. Sind größere Totäste in der Krone? Ist der Baum möglicherweise stockfaul und fällt daher eventuell anders?
Handy griffbereit
Bescheid geben, wo man arbeitet: Vor Arbeitsbeginn jemanden informieren, wo genau man sich im Wald aufhält und wann man zurück sein will – das erleichtert die Rettung, falls etwas passiert.
Dank all diesen Stellschrauben gibt es einige Möglichkeiten, die Waldarbeit sicherer zu machen. Wenn du wissen willst, wie es noch vor einiger Zeit war lies doch gerne den Artikel: Früher war vieles anders.
































