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Holzernte

Vom Setzling zum Holzprodukt

Für mich ist die moderne Holzernte das beste Beispiel, wie perfekt Mensch und Maschine zusammen funktionieren. In den letzten Jahrzehnten hat sich viel getan. Nach dem Fällen mit der Handsäge kam die Motorsäge und inzwischen sind auch Harvester gang und gäbe. In diesem Artikel geht’s um die moderne Holzernte mit all den Vorbereitungen und Vorkehrungen, damit am Ende des Tages alle wieder heil nach Hause kommen.

 


 

Geplante Holzernte statt Schadholz

Aktuell wird das meiste an Holz aufgrund von Kalamitäten (also Borkenkäfer, Sturm…) geerntet. Da die Schadholzernte oftmals schwieriger und gefährlicher ist, lohnt es sich, schon bevor es so weit kommt, ein paar Bäume rauszuschneiden. Durch die geringeren Vorräte werden die Bestände stabiler, die Bäume können größere Kronen ausbilden und bleiben dadurch vitaler. Außerdem gelangt mehr Licht auf den Boden, was die natürliche Verjüngung fördert – auch lichtbedürftige Baumarten erhalten dadurch bessere Chancen. Um das Risiko einer Bestandsinstabilität gering zu halten, sind mehrere kleinere Eingriffe in der Regel sinnvoller als ein großer. Oder wie jede Univorlesung endete: Holzernte – früh, mäßig, oft.

 

Planung ist alles

Der beste Zeitpunkt für die Holzernte sind meist die Wintermonate. Die Bäume stehen zu dieser Zeit nicht mehr im Saft, was die Holztrocknung leichter macht. Außerdem ist das Risiko der Verfärbung durch Bläuepilze deutlich geringer, da diese wärmere Temperaturen bevorzugen. Sicherheitstechnisch hat es auch den Vorteil, dass durch fehlende Belaubung Totäste in der Krone leichter erkannt werden können. Und idealerweise ist der Boden gefroren – so werden bei der Befahrung Schäden minimiert. Bei größeren Waldflächen sollten dauerhafte Rückegassen angelegt werden. In der Praxis hat sich ein Abstand von 30 - 40 Metern zwischen den Gassen als sinnvoll erwiesen. Liegt die Holzerntefläche in der Nähe einer Straße, sind außerdem rechtzeitige Überlegungen zu Absperrungen und Sicherheitsmaßnahmen wichtig.

 

Holzernteverfahren

🌿Häufig praktiziert – mit Motorsäge, Seilwinde und Rückewagen

„Obacht, Baum fällt!“ – so hört man es heute noch oft durch den Wald klingen, wenn Bäume mit der Motorsäge gefällt werden. Besonders bei kleineren Eingriffen oder in sehr steilem Gelände ist dieses Verfahren nach wie vor Standard. Es ermöglicht eine präzise und bodenschonende Holzernte, ist jedoch körperlich sehr anspruchsvoll – aber das brauche ich euch vermutlich nicht zu sagen. Der Baum wird mit der Motorsäge gefällt und anschließend entastet. Mit dem Schlepper und der Seilwindewird der Stamm auf die Gasse gezogen. Eine kräfte- und zeitsparende Arbeitserleichterung. Zubehör wie Ketten oder Seile müssen hinsichtlich ihrer Belastbarkeit zur Zugkraft der Seilwinde passen. Der Traktor sollte in Zugrichtung stehen. Wichtig: Wird die Seilwinde per Funk bedient, stellt man sich schräg hinter dem Stamm. Besonders bei Kurzholz besteht die Gefahr, dass die Stammstücke ausschlagen. Aus dieser Position hat man sowohl Stamm als auch Schlepper gut im Blick und kann das Holz sicher zur Gasse ziehen.

Wenn du noch mehr wissen möchtest, komm gerne zu unserem Kurs: Sicheres Arbeiten mit der Seilwinde. Für alle, die noch keine Seilwinde haben: Wir haben ein breites Angebot – für jedes Anliegen das passende Modell: Forstseilwinden I Unterreiner Forstgeräte. Unser Team berät dich gerne.

💡  Was auch eine praktische Sache ist: Spillwinden. Funktionieren ohne Traktor und können per Hand getragen werden. 

Von der Gasse zum Holzlagerplatz gelangen die Stämme meistens mit Hilfe von Rückewägen. Bei größeren Distanzen wird das Ziehen mit der Seilwinde schnell umständlich, dann lohnt sich die Investition in einen Rückewagen (falls du dich für einen interessierst, findest du hier unseren Produktkatalog). An dem Schlepper angehängt kann mit etwas Übung die Stämme mithilfe eines Krans und Greifers aufgeladen werden und zum Holzlagerplatz gebracht werden. Wer sich hier etwas üben möchte, ist in der Unterreiner Akademie gut aufgehoben. Der Kurs Sicheres Arbeiten mit dem Rückewagen vermittelt wertvolle Kenntnisse. In diesem Kurs hatte ich übrigens meinen ersten Kontakt zu Unterreiner – ich kann ihn wärmstens empfehlen.

 

🌿Vollmechanisiert – mit Harvester und Forwarder

Als ich das erste Mal einen Harvester im Einsatz gesehen habe, war ich beeindruckt, wie weit die Technik mittlerweile entwickelt ist – vermutlich ging es euch ähnlich. Der Harvester übernimmt Fällung, Entastung und das Ablängen des Stammes. Nicht nur die schnelle Aufarbeitung ist ein Vorteil, der Stamm kann direkt vermessen werden. Da der Fahrer in seiner Kabine geschützt sitzt, ist dieses Verfahren deutlich sicherer. (Bei mir hat sich noch ein Satz aus dem Studium eingebrannt: Kalamitätsholz ist Harvesterholz.) Nachdem die Stämme an der Gasse liegen, können diese von einem sogenannten Forwarder eingesammelt werden. Dies ist eine forstliche Spezialmaschine, die das Holz zum Holzlagerplatz bringt. Da die Maschinen recht schwer sind, sollten Harvester und Rückezüge nur auf tragfähigen Standorten zum Einsatz kommen. Es gibt jedoch Stellschrauben, um Waldböden weniger zu schädigen, wie das Absenken des Reifendrucks oder das Auslegen sogenannter Reisigmatten – also Äste quer über die Rückegasse legen.

💡 Welches Holzernteverfahren eignet sich für meinen Bestand am besten?

Leider gibt es dafür keinen Leitfaden, an den man sich halten kann, da es auf viele Faktoren ankommt: Wie sieht der Bestand aus und wie groß ist die Fläche? Haben auch die Nachbarn viel Holz, da eventuell sogar ein Sturm in der Region war, der eine motormanuelle Holzernte gefährlich macht, oder handelt es sich um einen eher kleineren Eingriff? Wie gut ist die Qualität? Je wertvoller das Holz, desto mehr spricht für eine händische Aufarbeitung aufgrund der einzelstammweisen Entscheidung. Daneben gibt es noch einige andere Faktoren, das Entscheidende ist aber: Was ist mir selbst am liebsten?


Die Waldarbeit, insbesondere die Holzernte, zu den gefährlichsten Arbeiten überhaupt. Im nächsten Artikel findest du alle Ansätze, wie man die hohen Unfallzahlen reduzieren kann: Sicherheit und Arbeitsschutz im Wald.