Direkt zur Hauptnavigation springen Direkt zum Inhalt springen Jump to sub navigation
Impressionen Unterreiner Forstgeräte - erfahren - kompetent - zuverlässig - innovativ

Pflanzen & Pflegen

Vom Setzling zum Holzprodukt

Pflanzen

 „Erst wenn du pflanzt, wird dir klar, wie groß ein Hektar wirklich war.“😀

Pflanzen kann eine zeitaufwendige und mühsame Forstarbeit sein. Was heute mit einem kleinen Pflänzchen beginnt, wird erst in vielen Jahrzehnten zum wertvollen Stamm.
Und doch entscheidet sich schon in den ersten Minuten – beim Pflanzen selbst – wie stabil und hochwertig dieser Baum einmal werden kann.

 


 

🌿 Vor der Pflanzung

Was soll denn überhaupt gepflanzt werden?

Dabei spielt der Standort eine entscheidende Rolle. Grundsätzlich bieten sich auf der Kahlfläche sonnenliebende Arten wie Eiche, Vogelkirsche oder Flatterulme an. Wer Lust auf exotischeres hat, kann es mal mit fremdländischen Baumarten probieren. Erste Anbauerfolge zeigen hierbei zum Beispiel die amerikanische Roteiche oder aus dem asiatischen Raum/Mittelmeerraum die Esskastanie.

Was echt eine coole Sache in älteren Beständen ist: Der Voranbau unter Schirm. Hierbei werden in Reinbestände (Wälder, die zum Großteil aus einer Baumart bestehen) schattentolerante Baumarten wie Weißtanne und Rotbuche gepflanzt. Vorteile: Risikostreuung auf mehrere Baumarten, weniger Begleitvegetation und somit kein Ausmähen, weniger Problemen mit Mäusen, da diese im Gras leben, Jungpflanzen werden durch den Altbestand vor Frost geschützt und höhere Holzerträge durch das schnelle Verjüngen.

💡 Was viele nicht wissen: Auch die Genetik spielt eine große Rolle. Ein Beispiel aus dem Wald: „Vinschger Trockentanne“ diese Weißtanne aus dem Vinschgau weist eine wesentlich größere Trockenheitstoleranz auf als Tannen mit anderer Herkunft.

Danach geht es um das richtige Sortiment. Grundsätzlich gilt: So klein wie möglich, so groß wie nötig – denn kleinere Pflanzen gewöhnen sich meist besser an die neue Umgebung. Zudem steht die Entscheidung an zwischen wurzelnackten Pflanzen und Topfpflanzen (Containerware). In der Praxis werden überwiegend wurzelnackte Pflanzen verwendet, da sie günstiger sind.

Pflanzzeitpunkt:

Gepflanzt wird dann, wenn die Bodenfeuchte am höchsten ist – also im Frühjahr oder Herbst. Idealerweise vor dem Blattaustrieb und unter Vermeidung von Forst.

am besten eignen sich die Monate März und April sowie Oktober und November

Weitere Vorbereitung:

Vor der Pflanzung sollte man sich Gedanken über den Wildschutz machen. Bei größeren Flächen ist der Zaunbau in der Regel die wirtschaftlichere, effektivere und umweltfreundlichere Lösung. Achte darauf, dass die umzäunte Fläche nicht zu groß ist – nur so lässt sie sich wirklich wilddicht halten (am besten kleiner als 2 Hektar). Bei ungünstig geformten Flächen oder aus persönlichen Gründen kann auch Einzelschutz sinnvoll sein.
Sind alle Vorbereitungen abgeschlossen, heißt es nur noch: auf die Lieferung des Pflanzguts warten.

 

🌿 Kontrolle der Pflanzgutqualität

Sobald das Pflanzgut geliefert wird, sollte es sofort überprüft werden. Wenn die Qualität nicht stimmt, kann die Annahme verweigert werden.

Gesundes Pflanzgut erfüllt folgende Anforderungen:

  • vitales Erscheinungsbild
  • feuchte, unverletzte Wurzeln, ohne Schimmelbildung
  • gerader Wuchs ohne Zwieselbildung
  • ausgewogenes Spross-Wurzel-Verhältnis (Anteil der Wurzel im Vergleich zum oberirdischem Pflanzenteil)
    • bei kleineren Sortierungen etwa 2 : 1
    • bei größeren maximal 1 : 2.
  • möglichst hoher Feinwurzelanteil (diese sind für Wasser- und Nährstoffaufnahme verantwortlich)

Bevor die Pflanzen in die Erde kommen, folgt noch ein kleiner, aber entscheidender Schritt …

 

🌿 Der Wurzelschnitt

Bevor die Setzlinge in den Waldboden gepflanzt werden können, sollte ein Wurzelschnitt durchgeführt werden. Warum ist das so wichtig?     

Unsere Jungpflanzen haben eine oder mehrere Hauptwurzeln, die in die Tiefe wachsen. Diese müssen beim Pflanzen gerade nach unten zeigen, da sie sonst schief weiterwachsen. Einmal verbogen können sie sich nicht mehr nach unten ausrichten und somit kann es später dazu führen, dass der Baum weniger stabil ist.

Um das zu vermeiden, wird der instabilere Teil der Hauptwurzel leicht eingekürzt, damit sie gerade eingesetzt werden kann.

  • Richtwert: Die Schnittstelle sollte nicht größer als 4 mm sein.

Auch zu lange Seitenwurzeln können etwas gekürzt werden – allerdings sollte so wenig Freiwurzeln wie möglich entfernt werden.

Achte auch bei Ballenware darauf, dass die Hauptwurzel nach unten zeigt.

Nun kann gepflanzt werden…

 

🌿 Pflanzverfahren

Beim Pflanzen ist entscheidend, dass die Setzlinge richtig tief in den Boden kommen. Der Wurzelhals sollte etwa 2–3 cm mit Erde bedeckt sein. Das Wurzelwerk muss sich in alle Richtungen ungehindert ausbreiten können – wird die Pflanze eingeklemmt oder die Wurzeln geknickt, kommt es zu Wurzeldeformationen. Ebenso wichtig ist es, die Bodenschichten nicht zu stark zu vermischen. Die beim Ausheben entnommene obere Erde (Humus- oder Oberboden) sollte beim Verfüllen wieder nach oben kommen, während die mineralische Unterbodenschicht unten bleibt.

Gängige Pflanztechniken

  • Spatenpflanzung – mit Hohlspaten oder normalem Pflanzspaten; geeignet für wurzelnackte Pflanzen mittlerer Größe
  • Axtpflanzung – mit Wiedehopfhaue oder Rhodener Pflanzhaue; schnell und effizient, besonders für kleinere Pflanzen oder schwierige Böden
  • Erdbohrer – für Containerpflanzen oder auf leichteren Böden

Nach dem Setzen sollte die Pflanze locker im Erdreich stehen, das Erdreich wird vorsichtig angetreten, damit keine Hohlräume entstehen.

Jetzt nur noch ein Markierstab neben die Pflanze gesteckt, um sie später wieder zu finden. Und dann gilt: Wachs und gedeih!

 

Kulturpflege

Der ganze Aufwand einer Aufforstung soll sich natürlich lohnen. Deshalb ist eine regelmäßige Kulturpflege entscheidend. Nur wenn man die Fläche im Blick behält, erkennt man frühzeitig, ob es irgendwo Probleme gibt.

Das gilt zu beachten:

Wilddichte kontrollieren – Ist der Zaun dicht oder der Einzelschutz an der richtigen Stelle? Für die Rehe sind die Jungpflanzen absolute Leckerbissen. Deshalb versuchen sie immer wieder einen Weg durch den Zaun zu finden. Man sollte man diesen am besten mehrmals pro Jahr gründlich kontrollieren.

Sind die Jungpflanzen frei von Schädlingen? Achten Sie darauf, ob Nadeln und Blätter vital aussehen. Verfärbungen oder Welke können Hinweise auf Schädlingsbefall sein. Auch der Stamm sollte sorgfältig kontrolliert werden. Ein Beispiel ist der Große Braune Rüsselkäfer: Er verursacht den typischen „Pockennabelfraß“ – stellenweise fällt die Rinde junger Nadelbäume ab – oft mit fatalen Folgen für die Pflanze.

Wie sieht die Begleitvegetation aus? Vor allem auf der Freifläche wuchert es leider oft. Mittlerweile weiß man, dass flächiges Ausmähen eher ungünstig ist, da der Wind ungehindert durch die ganze Fläche weht und den Boden austrocknet. Besser ist das sogenannte Auskesseln. Hierbei wird nur die Begleitvegetation um die Pflanze entfernt.

Die Daumen sind gedrückt, dass die Kultur gut durchkommt!