Direkt zur Hauptnavigation springen Direkt zum Inhalt springen Jump to sub navigation
Impressionen Unterreiner Forstgeräte - erfahren - kompetent - zuverlässig - innovativ

Waldwunder

Was der Wald sonst noch so kann

Vorab – dieser Artikel liegt mir besonders am Herzen. Wenn ich in den Wald gehe, dann meist wegen einer Arbeit, die erledigt werden muss. Da geht es uns allen wohl gleich. Ich liebe Holz und den Wald, ich denke, das ist in den vergangenen Artikeln klar geworden, aber er ist noch viel mehr. Für mich ist es sehr beeindruckend, wie dieses Ökosystem funktioniert, das ist im Alltagstrott leicht zu vergessen. Daher geht es in den nächsten Zeilen um die Waldwunder, also alles, was der Wald sonst noch so kann.

 


 

Wohnzimmer unserer Wildtiere

Klingt vielleicht banal, aber ich habe mal eine kleine Überlegung angestellt, um das Ganze anschaulicher zu machen:

In einer abgestorbenen Eiche befinden sich zahlreiche Insekten. Der Specht holt sich die Insektenlarven aus der Baumrinde und baut sich eine Höhle in den Stamm. Nachdem der Specht nach einem Jahr aus seiner Höhle auszieht, ziehen Blaumeisen ein. Diese fressen Raupen des Eichenprozessionsspinners. Im Folgejahr gibt es weniger dieser Forstschädlinge. Einige Eicheln lässt sich der Eichelhäher schmecken. Über seinen Kot verbreitet er die Samen. (Übrigens: Durch die Verdauung verbessert sich sogar die Keimfähigkeit). In einem Fichtenreinbestand wachsen jetzt einige Eichen. Der Eichelhäher wird vom Marder gefressen und dieser nach seinem Tod vom Fuchs. Die Füchse fressen vor allem Mäuse und sorgen dafür, dass es nicht mehr so viele dieser Nager auf der frisch angepflanzten Kulturfläche gibt, und somit wachsen die Jungpflanzen. Ein paar Jahre später knabbern Rehe an den Knospen. Für sie ist das ein besonderer Leckerei. Aber zum Glück schaut der Jäger vorbei und übernimmt die frühere Aufgabe der großen Raubtiere. Und so können auch wir uns hoffentlich ein leckeres Rehragout schmecken lassen.

Oder in Alexander von Humboldts Worten: „Alles hängt mit allem zusammen.“ Fällt einer dieser Akteure aus, so verschieben sich die Verhältnisse. Daher ist es wichtig, dass jede heimische Waldart auch ihren Lebensraum hat.

 

Lebendiges Totholz 

Im obigen Beispiel wird schon klar, dass Totholz bezüglich des Lebensraums eine wichtige Rolle spielt. Man kann dabei zwischen stehenden und liegenden abgestorbenen Bäumen unterscheiden. Stehendes Totholz ist die Grundlage für die höhlenbewohnenden Arten und daher besonders wertvoll und schützenswert. Insgesamt ist etwa ein Viertel der Waldarten auf abgestorbenes Holz angewiesen. Neben Pilzen gehören auch die Insekten zu den größten Vertretern.

Wie wir Menschen Nahrung brauchen, benötigen auch die Pflanzen Nährstoffe. Diese sind im Wasser gelöst und werden über die Wurzel aufgenommen und im Baum eingelagert. Über die Hälfte dieser Nährstoffe befinden sich im Reisig (Blätter und kleine Äste) sowie in der Rinde. Vor allem diese Teile sollten unbedingt im Wald bleiben. Schließlich können die Böden nicht einfach gedüngt werden, wie in der Landwirtschaft.

Mit der Zeit wird mit Hilfe unserer kleinen Helfer (Pilze, Mikroorganismen und Bodentiere wie Regenwürmer, Ameisen und Käferlarven) aus Totholz Humus. Darin kann sich Wasser gut halten und er eignet sich ideal als Keimbett für unsere Naturverjüngung.

💡 „I dad scho a bissal a Totholz im Woid lassn, aber da springt hoid nix bei raus!“ diesen Satz höre ich öfters. Falls du den gleichen Gedanken hast, melde dich doch einfach mal bei deinem zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Neben der gezielten Förderung von Biotop- und Totholzbäumen bietet das Vertragsnaturschutzprogramm (VPN Wald) noch andere Förderungen für schützenswerte Lebensräume.

 

Vom "Wohnzimmer" in die Speisekammer - Die Jagd

Auch das Thema Jagd habe ich oben schon angesprochen. Für mich gibt es kein besseres Fleisch als Wild. Da schmeckt’s mir gleich noch viel besser, wenn ich weiß, dass die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum gelebt haben und wir gleichzeitig dem Wald etwas Gutes tun.

Für ein intaktes Waldökosystem brauchen wir angepasste Wildbestände. Warum? Das größte Problem ist, dass Rehe selektiv fressen. Wie wir Menschen wollen sie Abwechslung in ihrer Ernährung. Das heißt, die besonders raren Baumarten sind am beliebtesten, und der Wald hat keine Chance, ein Mischwald zu werden. Wölfe sind bei uns in Bayern die absolute Seltenheit, Luchs oder Bär sind nicht mehr vertreten. Sie haben sich früher um einen ausgewogenen Wildbestand gekümmert. Nun müssen wir Menschen die Aufgabe übernehmen. Gejagt wird im Wald. Warum, wenn es auf dem Feld doch einfacher ist? Wildtiere sind nicht dumm.  Sie lernen, wo es gefährlich ist. Folge: Die Rehe gehen in den Wald. Außerdem sind sie am liebsten da, wo das Angebot am besten ist – das sind natürlich die Verjüngungsflächen. Andersherum, wenn auf den Verjüngungs- und Kulturstandorten gejagt wird, lernen die Wildtiere, dass es dort gefährlich ist. In den älteren Beständen werden ihnen Rückzugsorte gelassen – dort stören sie ja nicht. Man nennt diese Jagdstrategie Schwerpunktbejagung.

💡 Gerne sind unsere Wälder super „aufgeräumt“, es gibt also nur wenig große Äste auf dem Boden und somit auch nur selten Stolperfallen – schon fast so wie im Wohnzimmer. Auf der anderen Seite: Würden unsere Wälder etwas chaotischer aussehen, würden auch die Wildtiere nicht mehr so gerne durchlaufen.

 

Ein Ort zum Durchatmen

Was macht ein Waldspaziergang eigentlich mit uns Menschen?

Was sagt die Wissenschaft dazu: Bereits nach 10 - 20 Minuten im Wald sinkt unser Cortisolspiegel – das Stresshormon im Blut und der Blutdruck sinkt. Auf Dauer kann sich das Risiko für Krankheiten reduzieren, z.B. das Schlaganfallrisiko und auch die Schlafqualität kann sich verbessern. Eine Studie belegt, dass bereits ein Baum vor dem Fenster das Depressionsrisiko verringert.

Hast du schon einmal etwas vom Waldbaden gehört? Das ist der ‚neumoderne‘ Begriff dafür, bewusst in den Wald zu gehen, um zu entspannen.

Was sage ich dazu: Probiere es doch selbst mal wieder aus. Vielleicht passt ja ein wöchentlicher Waldspaziergang in deine Routine. Aber geh vielleicht nicht in deinen eigenen Wald, damit du nicht die Arbeit siehst. 😉

 

Wildgemüse & Beikräuter

Ich denke, fast alle von uns können hier mitreden, weil beim Schwammerlsuchen waren die meisten schon mal. Wenn man ein bisschen weiterdenkt, kennt jeder von uns noch Waldbrombeeren, Himbeeren und Holunder. Auch von der gesunden Brennnessel haben manche schon einmal etwas gehört. Meine absolute Empfehlung: Probiert doch mal Springkrautsamen – für mich schmecken diese nach Walnuss. Der Wald hat aber auch jede Menge heilsame Pflanzen. Was mich besonders überrascht hat: Die chemische Grundformel von Aspirin wurde in der Weidenrinde entdeckt.

Unsere Natur – Wälder, Waldränder und Wiesen – sind eine Speisekammer und Apotheke zugleich. Wenn du dazu mehr wissen willst, komm doch gerne zu unserem Kurs: Erste Hilfe aus der Natur.

 

Sonst noch was?

Der Wald eignet sich besonders als Erosionsschutz auf steilerem Gelände. Die Wurzeln halten den Boden ideal zusammen. In besonders bergigen Regionen fungieren unsere Wälder auch als Lawinenschutz. Da unser Waldboden besonders viele Poren hat (also Luftlöcher) wirkt dieser bei viel Regen als Schwamm. So trägt er auch zum Hochwasserschutz bei. Jeder von euch hat bestimmt schon einmal Wasserschutzgebietsschilder gesehen. Ein großer Teil unseres Trinkwassers wird im Wald gewonnen – er filtert das Wasser (genauer gesagt übernehmen das die im Wald lebenden Pilze und Mikroorganismen). Zudem werden dort keine Dünger und Pestizide verwendet. Dies schafft ideale Bedingungen für ein sauberes Trinkwasser. Der Wald filtert nicht nur Wasser, sondern auch unsere Luft. All die Abgase und den Feinstaub, den wir tagtäglich produzieren, werden von den Nadeln und Blättern abgefangen und beim nächsten Regen in den Boden gewaschen – der ideale Immissionsschutz. Und zu guter Letzt: Der Wald produziert Sauerstoff – unsere Luft zum Atmen.

 


 

Auch wenn ihr vermutlich das meiste schon mal gehört habt, denke ich, es ist wichtig, sich mal wieder alles vor Augen zu führen. Es ist doch der Wahnsinn, was der Wald alles kann.

Falls du findest, dieses ganze Wissen sollte an die nächste Generation weitergegeben werden, gibt’s für alle Jüngeren unter uns den Unterreiner Kids Club.

 

Ich bin immer wieder erstaunt über den Wald. Er macht mir klar, dass die Fantasie der Natur viel größer ist als meine eigene Fantasie. Ich muss noch einiges lernen. ~ Gunter Grass